Installation » „Schnittmeister“

Schnittmeister
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Audio/Video-Installation
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Schnittmeister

Chris Hinze hat seine zweiteilige Arbeit „Der Schnittmeister“ genannt. Vor dem stillgelegten Brennofen befinden sich hängende großflächige Stahlbleche an einer Leine, die von mit weißer Pigmentfarbe gebleichten Holzstützen erhöht wird. Die Installation besitzt die Anmutung eines Wäscheplatzes. Diese Wirkung ist beabsichtigt und verkörpert den gedanklichen Ausgangspunkt des Künstlers. In seiner Kindheit war der Wäscheplatz ein Ort des Gedankenaustauschs. Dort trafen sich vor allem Mütter untereinander und Kinder, die die Mütter beobachteten, ihnen halfen, oder vorzugsweise spielten. Die Installation abstrahiert diese Erinnerung und vermittelt die Geste, mit der Chris Hinze dem Ort und den hier Arbeitenden begegnet ist. Die anfangs von mir erwähnten Stahlbleche sind von Hinze unterschiedlich behandelt worden. Er entfettete sie, rieb sie mit Salzsäure ab, und eins davon wässerte er 24 Stunden im Glindower See. Herausfordern wollte er unterschiedliche Wandlungen der korrodierten Flächen, die im Vergleich jetzt schon zu erkennen sind. Abzuwarten bleibt, welche Veränderungen der Oberflächen hier innerhalb der vereinbarten zwei Jahre sichtbar werden. Die Zeit hinterlässt Spuren, diese zu hinterfragen, ist Teil seines künstlerischen Programms – sowohl ästhetisch als auch inhaltlich.

Wenn Sie den stillgelegten Ringofen umrunden, haben Sie Zutritt zur anfangs von Fontane erwähnten Gewölbedecke. Dort finden Sie eine klar strukturierte Anordnung von Stationen vor, die audiovisuelle Eindrücke bereithalten. Sie schalten eins der vorliegenden Tablets ein und hören die Antworten der 11 von 20 hier Arbeitenden auf mehr als ein Dutzend Fragen des Künstlers. Und zwischendurch, wenn Sie chronologisch vorgehen, immer wieder Geräusche bzw. Sounds, die hier aufgenommen worden sind: Steinbeißer, Handstreicher, Abluft usw. Die empirische Methode vermittelt unterschiedliche und gemeinsame Sichten auf die Geschichte der Ziegelei, die schwere Arbeit, die Flexibilität und Sachkunde erfordernde Arbeitsteilung. Und sie schlägt Brücken zu dem gedanklichen Ausgangspunkt der Installation von Chris Hinze, wenn z. B. der Mitarbeiter Peter Weckwert erzählt, wie Frauen nach 1945 in der ersten Brennkammer die Wäsche „reinjeängt“ haben, und sie innerhalb eines Tages trocken war. Oder wenn Johann Gerlein beschreibt, dass in Kasachstan, wo er ursprünglich herkommt, bei – 25 Grad°C die Wäsche nach 2–-3 Tagen trocken wurde und ergänzt, dass die Männer andere Aufgaben haben. Doch es kommen auch Erinnerungen zur Sprache, die nicht nur für den Glindower Ortschronisten neu sein werden. Auffällig, dass bei den Befragten Wünsche oft übereinstimmen. Die Wertschätzung, mit der Chris Hinze auf die Befragten zukam, das Vertrauen, dass er zu Ihnen aufbauen konnte, wird in den Antworten offensichtlich.

Thomas Kumlehn 2016

Schnittmeister

Chris Hinze hat seine zweiteilige Arbeit „Der Schnittmeister“ genannt. Vor dem stillgelegten Brennofen befinden sich hängende großflächige Stahlbleche an einer Leine, die von mit weißer Pigmentfarbe gebleichten Holzstützen erhöht wird. Die Installation besitzt die Anmutung eines Wäscheplatzes. Diese Wirkung ist beabsichtigt und verkörpert den gedanklichen Ausgangspunkt des Künstlers. In seiner Kindheit war der Wäscheplatz ein Ort des Gedankenaustauschs. Dort trafen sich vor allem Mütter untereinander und Kinder, die die Mütter beobachteten, ihnen halfen, oder vorzugsweise spielten. Die Installation abstrahiert diese Erinnerung und vermittelt die Geste, mit der Chris Hinze dem Ort und den hier Arbeitenden begegnet ist. Die anfangs von mir erwähnten Stahlbleche sind von Hinze unterschiedlich behandelt worden. Er entfettete sie, rieb sie mit Salzsäure ab, und eins davon wässerte er 24 Stunden im Glindower See. Herausfordern wollte er unterschiedliche Wandlungen der korrodierten Flächen, die im Vergleich jetzt schon zu erkennen sind. Abzuwarten bleibt, welche Veränderungen der Oberflächen hier innerhalb der vereinbarten zwei Jahre sichtbar werden. Die Zeit hinterlässt Spuren, diese zu hinterfragen, ist Teil seines künstlerischen Programms – sowohl ästhetisch als auch inhaltlich.

Wenn Sie den stillgelegten Ringofen umrunden, haben Sie Zutritt zur anfangs von Fontane erwähnten Gewölbedecke. Dort finden Sie eine klar strukturierte Anordnung von Stationen vor, die audiovisuelle Eindrücke bereithalten. Sie schalten eins der vorliegenden Tablets ein und hören die Antworten der 11 von 20 hier Arbeitenden auf mehr als ein Dutzend Fragen des Künstlers. Und zwischendurch, wenn Sie chronologisch vorgehen, immer wieder Geräusche bzw. Sounds, die hier aufgenommen worden sind: Steinbeißer, Handstreicher, Abluft usw. Die empirische Methode vermittelt unterschiedliche und gemeinsame Sichten auf die Geschichte der Ziegelei, die schwere Arbeit, die Flexibilität und Sachkunde erfordernde Arbeitsteilung. Und sie schlägt Brücken zu dem gedanklichen Ausgangspunkt der Installation von Chris Hinze, wenn z. B. der Mitarbeiter Peter Weckwert erzählt, wie Frauen nach 1945 in der ersten Brennkammer die Wäsche „reinjeängt“ haben, und sie innerhalb eines Tages trocken war. Oder wenn Johann Gerlein beschreibt, dass in Kasachstan, wo er ursprünglich herkommt, bei – 25 Grad°C die Wäsche nach 2–-3 Tagen trocken wurde und ergänzt, dass die Männer andere Aufgaben haben. Doch es kommen auch Erinnerungen zur Sprache, die nicht nur für den Glindower Ortschronisten neu sein werden. Auffällig, dass bei den Befragten Wünsche oft übereinstimmen. Die Wertschätzung, mit der Chris Hinze auf die Befragten zukam, das Vertrauen, dass er zu Ihnen aufbauen konnte, wird in den Antworten offensichtlich.

Thomas Kumlehn 2016
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