Installation » „Portal“

Beichtstuhl
Beichtstuhl
Beichtstuhl
Beichtstuhl
Beichtstuhl
Beichtstuhl
Wandlung
Wandlung
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Wandlung
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Portal
Portal
Portal
Portal
Portal
Portal
Portal
Portal
Demut
Demut
Demut
Demut
Demut
Demut
Doppeltür
Doppeltür
Doppeltür
Doppeltür
Doppeltür
Doppeltür

Portal

„Wir können bis an unsere Grenzen gehen, hast Du schon einmal darüber hinweg gesehen?“***

Mag Portal auch ein offener Begriff sein, den Bildhauer Chris Hinze führt der Titel dieser Doppelausstellung dazu, sich von den erprobten Zonen seines bisherigen Œuvres abzuwenden und wieder an die Tabula Rasa zu kommen mit der Frage: “Was kann das sein, ein Portal?“ Er kehrt praktisch durch das Portal gefordert zurück auf Start. Neu anzufangen heißt in Hinzes Fall allerdings nicht, dass er sein kreatives Gespür, sein handwerkliches Können oder ihm vertraute Rohstoffe hinter sich lässt. Nein, es heißt, ein neues Spiel zu erfinden und damit auch neue Grenzen zu eröffnen. In den zurückliegenden gut 20 Jahren seiner künstlerischen Karriere hatte er sich wiederholt mit den Gültigkeiten seiner Herkunft aus Cottbus im Spreewald auseinandergesetzt. Er hatte Schreitende aus Holz geschält und in Bronze gegossen, denen das Fleisch eng an die Körperachsen geschnürt war und die sich oft in den Boden zu bohren schienen wie Signalstäbe. Oder er hatte Schiffe oder Schlitten für die Überfahrt und das offene Gleiten der Gedanken konzipiert und mit teils gewaltigen Kraftakten zusammengefügt und aufgestellt. Diese Themenfelder blieben im mäandernden Fluss, liefen gegen- und nebeneinander her und wenn es an der Zeit war, brach Hinze aus, um einen neuen frischen Strang zu entwickeln und ihn einzuflechten in seinen Themenkomplex. Ein Themenkomplex der eher gewichtige Motive und Momente in sich band, wie die Orientierung im Leben oder die wundersame Kraft des Aufrichtens, welche manchen Menschen innewohnt. Ein Themenkomplex auch, der mit all diesen fast zeitlosen anthropologischen Kontinuitäten im Ausdruck und Material gegen den gnadenlosen Vollzug des aktuellen Turbokapitalismus aufstand. Dennoch verließ Chris Hinze in seinem Werk nie die Neugier oder auch ein gewisser praktischer Optimismus. Das wird schon daran deutlich, dass er sich noch heute immer wieder neue Themenfelder erschließt und dass seine Werke nicht gerade bescheidener werden im Laufe der Zeit. Es liegt also nahe, dass er der großzügigen, starken Geste durchaus eine Chance auf Wirkung einräumt; die gehärtete Plastik auch als brachiale Setzung begreift, an dem das letztlich sinnentleerte Hasten unserer Tage zum Erliegen kommen muss.

Jetzt wartet also die neue Herausforderung: das Portal. Inhaltlich durchaus geeignet um wieder höheren Sphären zu zustreben, bleibt Hinze auf dem Boden, entspannt und wach und wieder voller Neugier. Er stellt geöffnete Doppel-Türen in den Raum, baut einen einseitigen Beichtstuhl, also einen toten Briefkasten. Und er adaptiert mit viel Fantasie ein Portal mit Eisenring aus Venedig ohne in fester Ignoranz anzuerkennen, dass es einfach um ein Anlegestein für die Gondeln handelt. Des Weiteren baut er einen Tastkasten mit fast lausbübischer List und konzipiert sogar ein Video mit Zitaten seiner Mitmenschen. Gerade in dieser Laboranordnung rennt Hinze voller Laune geschlossene Türen ein. Sein Gespür für die Bruchlinien der Gesellschaft schien nie aktueller und direkter zu sein als hier und jetzt. Die angebliche Transzendenz der Katholischen Kirche endet bereits an der geflochtenen Oberfläche des Beichtstuhls, das Dahinter ist die reine Projektion von Menschen, welche die Absolution eines unterdrückerischen Systems suchen. Die Doppeltür mitten im Raum trennt gar nichts mehr, obwohl sie aussieht wie der Inbegriff eines Portals, ist sie in diesem Falle ein Anti-Portal. Und dem großen verdrängten Thema Tod, dem finalen Portal aus der Sicht aller Menschen, nähert er sich mit Gummihandschuhen. Hier regiert der Punk! Das Portal ist immer eine Grenzmarkierung, es zu durchstreiten bedeutet Grenzen zu verletzten. Wenn einen der aktuelle Zustand der Gesellschaft schwer zu schaffen macht, wird gerade diese Eigenschaft des Portals überlebenswichtig. Hinzes Metier ist bei dieser Ausstellung mehr als jemals zuvor unsere alltägliche äußere Realität eines Systems, welches unsere menschlichen Qualitäten zusehends verhunzt. Er geht an die Grenzen dieses Systems, schaut nicht über sie hinweg, sondern perforiert die Zustände, macht es möglich durch die Grenzen hindurch zu schauen, ohne platt und destruktiv zu werden. Stephan Klee

*Sandow „Born in the GDR“, Text von Kai-UweKohlschmidt, 1988

Portal

„Wir können bis an unsere Grenzen gehen, hast Du schon einmal darüber hinweg gesehen?“*

Mag Portal auch ein offener Begriff sein, den Bildhauer Chris Hinze führt der Titel dieser Doppelausstellung dazu, sich von den erprobten Zonen seines bisherigen Œuvres abzuwenden und wieder an die Tabula Rasa zu kommen mit der Frage: “Was kann das sein, ein Portal?“ Er kehrt praktisch durch das Portal gefordert zurück auf Start. Neu anzufangen heißt in Hinzes Fall allerdings nicht, dass er sein kreatives Gespür, sein handwerkliches Können oder ihm vertraute Rohstoffe hinter sich lässt. Nein, es heißt, ein neues Spiel zu erfinden und damit auch neue Grenzen zu eröffnen. In den zurückliegenden gut 20 Jahren seiner künstlerischen Karriere hatte er sich wiederholt mit den Gültigkeiten seiner Herkunft aus Cottbus im Spreewald auseinandergesetzt. Er hatte Schreitende aus Holz geschält und in Bronze gegossen, denen das Fleisch eng an die Körperachsen geschnürt war und die sich oft in den Boden zu bohren schienen wie Signalstäbe. Oder er hatte Schiffe oder Schlitten für die Überfahrt und das offene Gleiten der Gedanken konzipiert und mit teils gewaltigen Kraftakten zusammengefügt und aufgestellt. Diese Themenfelder blieben im mäandernden Fluss, liefen gegen- und nebeneinander her und wenn es an der Zeit war, brach Hinze aus, um einen neuen frischen Strang zu entwickeln und ihn einzuflechten in seinen Themenkomplex. Ein Themenkomplex der eher gewichtige Motive und Momente in sich band, wie die Orientierung im Leben oder die wundersame Kraft des Aufrichtens, welche manchen Menschen innewohnt. Ein Themenkomplex auch, der mit all diesen fast zeitlosen anthropologischen Kontinuitäten im Ausdruck und Material gegen den gnadenlosen Vollzug des aktuellen Turbokapitalismus aufstand. Dennoch verließ Chris Hinze in seinem Werk nie die Neugier oder auch ein gewisser praktischer Optimismus. Das wird schon daran deutlich, dass er sich noch heute immer wieder neue Themenfelder erschließt und dass seine Werke nicht gerade bescheidener werden im Laufe der Zeit. Es liegt also nahe, dass er der großzügigen, starken Geste durchaus eine Chance auf Wirkung einräumt; die gehärtete Plastik auch als brachiale Setzung begreift, an dem das letztlich sinnentleerte Hasten unserer Tage zum Erliegen kommen muss.

Jetzt wartet also die neue Herausforderung: das Portal. Inhaltlich durchaus geeignet um wieder höheren Sphären zu zustreben, bleibt Hinze auf dem Boden, entspannt und wach und wieder voller Neugier. Er stellt geöffnete Doppel-Türen in den Raum, baut einen einseitigen Beichtstuhl, also einen toten Briefkasten. Und er adaptiert mit viel Fantasie ein Portal mit Eisenring aus Venedig ohne in fester Ignoranz anzuerkennen, dass es einfach um ein Anlegestein für die Gondeln handelt. Des Weiteren baut er einen Tastkasten mit fast lausbübischer List und konzipiert sogar ein Video mit Zitaten seiner Mitmenschen. Gerade in dieser Laboranordnung rennt Hinze voller Laune geschlossene Türen ein. Sein Gespür für die Bruchlinien der Gesellschaft schien nie aktueller und direkter zu sein als hier und jetzt. Die angebliche Transzendenz der Katholischen Kirche endet bereits an der geflochtenen Oberfläche des Beichtstuhls, das Dahinter ist die reine Projektion von Menschen, welche die Absolution eines unterdrückerischen Systems suchen. Die Doppeltür mitten im Raum trennt gar nichts mehr, obwohl sie aussieht wie der Inbegriff eines Portals, ist sie in diesem Falle ein Anti-Portal. Und dem großen verdrängten Thema Tod, dem finalen Portal aus der Sicht aller Menschen, nähert er sich mit Gummihandschuhen. Hier regiert der Punk! Das Portal ist immer eine Grenzmarkierung, es zu durchstreiten bedeutet Grenzen zu verletzten. Wenn einen der aktuelle Zustand der Gesellschaft schwer zu schaffen macht, wird gerade diese Eigenschaft des Portals überlebenswichtig. Hinzes Metier ist bei dieser Ausstellung mehr als jemals zuvor unsere alltägliche äußere Realität eines Systems, welches unsere menschlichen Qualitäten zusehends verhunzt. Er geht an die Grenzen dieses Systems, schaut nicht über sie hinweg, sondern perforiert die Zustände, macht es möglich durch die Grenzen hindurch zu schauen, ohne platt und destruktiv zu werden. Stephan Klee

*Sandow „Born in the GDR“, Text von Kai-UweKohlschmidt, 1988
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